Zeitraum: 27.03.2023 - 13.05.2023
Revier: Atlantik, Karibik, St Vincenz und die Grenadinen, Bequia - Martinique
Boot: eMMa - Moody 44
Crew: Markus
Melanie


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Wochenbericht 54 - Tod und Auferstehung auf Martinique

Irgendwann ist es dann soweit und wir nehmen Abschied von Bequia. Wir segeln vorbei an St. Vincenz immer hoch am Wind mit ordentlich Welle und viel Lage (das heißt so, wenn das Boot durch den Wind schräg, fast auf der Seite, im Wasser liegt). Melanie hat Wache, als Markus sagt, wir haben Wasser im Schiff. Die erste Frage: Süßwasser oder Salzwasser? Sch… , denn das heißt, es kommt Wasser von außen rein. Also machen wir uns auf die Suche nach dem Leck und werden schnell fündig. Zum Glück ist es kein wirkliches Leck, also kein Loch im Boot oder abgeplatzter Schlauch oder ähnliches, sondern es ist ein uns eigentlich bekanntest Problem, was wir nur leider immer mal wieder vergessen. Das Wasser kommt nämlich bei sehr viel Lage auf Backbord über das Waschbecken im Backbordbad rein, das Waschbecken läuft über und dann sammelt sich das Wasser in der Bilge. Man kann das ganz einfach verhindern, in dem man die Seeventile im Bad schließt. Da auf allen anderen Kursen diese Maßnahme nicht notwendig ist, vergessen wir das immer wieder. Und auf der Steuerbordseite haben wir dieses Problem auch nicht. Nun heißt es also erst einmal Wasser aus dem Schiff bekommen. Mit der Weile befinden wir uns auf der Höhe von St. Lucia. Diese Insel wollten wir eigentlich gar nicht anlaufen, entscheiden uns aber gemeinsam mit der Nala dafür, wenigstens den Rest der Nacht dort vor Anker zu verbringen, ein paar Stunden zu schlafen und dann weiter nach Martinique zu segeln.
Die erste angesteuerte Bucht ist sehr offen, der Schwell unerträglich. Nach einer kurzen Lagebesprechung fahren wir noch weiter an der Küste entlang und Ankern in der Nähe des nördlichen Flughafens von St. Lucia. Die Bucht ist komplett leer und der Anker hält umgehend. So legen wir uns schlafen und werden am frühen Morgen von Rufen und Stimmen geweckt. Markus geht nach oben und kommt wenige Minuten später wieder herunter. Wir wurden von der Portcontrol aufgefordert Anker auf zu gehen und die Bucht zu Verlassen. Ja, es ist eine Ankerbucht, aber hier ankern die Kreuzfahrtschiffe, was leider nicht in den Seekarten stand. Und wir blockieren gerade mit unseren zwei kleinen Seglern die Aida und ein weiteres Kreuzfahrtschiff beim Anlegen! Ups!! So werden wir also am frühen Morgen zum meistfotografierten Motiv bei allen Kreuzfahrttouristen, die bereits wach sind und eine Außenkabine haben. So gehen wir ohne Frühstück Anker auf und tuckern wieder hinaus auf die karibische See. Es folgt ein schöner Segeltag. Wir entscheiden uns für die Nutzung einer Mooring Boje vor einem kleinen Hafen etwas westlich von Fort-de-France. Dort angekommen spülen wir unsere Bilge mit Süßwasser, waschen alles ab, was mit Salzwasser in Berührung gekommen ist und anschließend strahlt eMMa von innen und außen. Die Liegegebühr an der Mooring ist hier wirklich günstig und für das Geld dürfen wir den Dinghy-Steg und die Sanitäranlagen mitbenutzen. Einklarieren können wir über den Hafen ebenfalls, da wir als Europäer auf Martinique wieder in der EU angekommen sind. Dafür werden die Daten im Computer eingegeben und man zahlt eine Bearbeitungsgebühr von 5 Euro. Wir erkunden die Umgebung zu Fuß. Alles wirkt zunächst sehr europäisch. Die Häuser, die Busse, die Geschäfte sind so auch in Spanien, Frankreich oder Italien zu finden. Die Busse fahren hier wieder nach einem festen Fahrplan und die Busfahrer streiken, so dass der Bus, mit dem wir eigentlich nach Fort-de-France reinfahren wollten, ausfällt und wir eine weitere Stunde auf dem nächsten Bus warten müssen. So kommen wir erst am Nachmittag in Fort-de-France an und die Geschäfte haben bereits geschlossen. Vielleicht ist das der Grund, dass uns die Stadt nicht wirklich überzeugen kann. Fort-de-France hat durchaus die eine oder andere Sehenswürdigkeit. Eine Kirche, eine Bibliothek und der öffentliche Park sehen sehr vielversprechend aus. Besichtigen können wir die ersten beiden leider nicht mehr, da sie schon geschlossen sind. Im Park findet ein großes Reitturnier statt. Pferde und Reiter tummeln sich rund um die mobilen Stallungen. Eine größere Gruppe Menschen macht unter einem Pavillon Musik. Hört sich nett an, ist es soweit auch. Leider stinkt es in den Straßen bestialisch, überall liegt Dreck und Müll herum. Wir wollen den Bus zurück nehmen, aber der fährt uns direkt vor der Nase weg. So müssen wir auf den letzten Bus warten und hoffen sehr, dass der auch kommt. Er kommt und bringt uns zurück bis fast zum Hafen. Solche Situationen überfordern Melanie noch immer schnell. Dann sinkt ihre Laune auf den Tiefpunkt und das Loch scheint wieder sehr nah zu sein. In solchen Momenten hilft ihr nur Ruhe, Gespräche und Halt geben. Das ist für Markus auch nicht immer einfach.

Den Geburtstag von Manuela feiern wir, indem wir gemeinsam lecker Essen gehen. Es wird ein schöner Abend. Wir machen einen Abstecher zum Einkaufszentrum und sehen seit sehr langer Zeit mal wieder einen Stau auf der Stadtautobahn. Auf unserer To-Do-Liste stehen auch mehrere Teile, die wir beim Decathlon bekommen können. Da der Weg dahin zu Fuß vom Hafen aus zu weit ist und die Busverbindung nicht so wirklich zuverlässig funktioniert, entschließen wir uns umzuankern. Wir verlegen eine kleine Bucht weiter. Dort beobachten wir vom Boot aus die Kinder-, Jugend- und Erwachsenen-Gruppen vom örtlichen Segelverein beim Training. Gesegelt wird hier mit traditionellen Holzbooten mit sehr interessanten Segeln und Trimmtechniken. Mit dem Dinghy fahren wir an Land um von hieraus zum Decathlon zu laufen. Der Weg ist zu Fuß gut machbar. Größer könnte der Kontrast kaum sein. Neben dem Hafen gab es Industrieanlagen und moderne Wohngebäude, hier treffen wir auf einfach Häuser aus Stein und kleinere Wohnhütten aus Holz, alles karibisch bunt bemalt.
Melanie benötigt beim Decathlon neue T-Shirts. Für sie ist Klamotten kaufen fast schon so etwas wie Höchststrafe. In ihrer aktuellen Verfassung bringt es sie mal wieder an ihre Grenzen. Als Christoph und Markus dann auch noch einen Abstecher in den Baummarkt machen, bleibt sie auf einer Bank sitzen und gönnt sich mit Manuela eine Auszeit. Ganz ohne Pausen geht es noch nicht wieder, aber die Großzahl der Tage sind deutlich besser.

Am folgenden Morgen legen wir ab um nach Le Marin zu segeln. Es wird ein sportlicher und anspruchsvoller Segeltag. Immer den Wind auf die Nase, also heißt es kreuzen. Zum Schluss muss der Motor auch noch ein wenig mithelfen. Dann laufen wir in die große Bucht vor Le Marin ein. Hier liegen hunderte von Segelbooten, im Hafen, an Moorings und vor Anker. Wir gehen vor Anker. Einkaufen ist hier in Le Marin relativ einfach für uns Segler, denn es gibt hier einen Supermarkt mit eigenem Dinghysteg! Sozusagen mit Parkplatz für die Segler. Hier versorgen wir uns mal wieder ausgiebig mit Lebensmitteln und Vorräten, denn im Verhältnis zur restlichen Karibik sind die Preise wirklich günstig, im Verhältnis zu Europa noch immer etwas teurer.

Zu den Osterfeiertagen verlegen wir vor Sainte-Anne. An Karsamstag laufen wir den Kreuzweg. In kleinen Serpentinen geht es den Hügel hoch und in jeder Kurve steht eine neue Station von Jesus Leidensgeschichte. Von oben haben wir einen schönen Ausblick über die Bucht, wo wir übrigens beim Einfahren ein weiteres Schwesterschiff von eMMa gesehen haben.

Die nächsten Wochen verbringen wir mit Landausflügen und ganz viel Tauchen auf Martinique. Auf der Bananen-Plantage werden wir zu Bananen-Experten. Wusstet ihr, dass es mehr als 1000 Bananen-Sorten weltweit gibt? Und etwa 400 davon sind genießbar. Wir dürfen drei verschiedene süße Sorten vor Ort testen (sogenannte Dessert-Bananen, es gibt auch noch Kochbananen), frisch von der Plantage nebenan. Erst im direkten Vergleich wird uns bewusst, wie unterschiedlich die Sorten schmecken. Unser Favorit ist eindeutig die Baby-Banane.
In einer Rum-Destillerie erfahren wir alles über die alten und neuen Methoden, mit denen aus Zuckerrohr Rum gemacht wird. Natürlich testen wir ihn auch und lernen dabei, dass man auf Martinique seinen Rum nicht mit Eis trinkt.

Unser Ausflug zum Wasserfall entpuppt sich dieses Mal als etwas ganz besonderes. Entgegen unserer Gewohnheit uns ausgiebig im Vorfeld zu erkundigen, suchen wir uns den Les Gorges de la Falaise aus und fahren dort hin. Wir hatten im Vorfeld gelesen, dass man dort auch Baden darf und, dass der Besuch Eintritt kostet. Okay, da ist nichts ungewöhnliches dran. Also kommen wir mit dem Mietwagen an und der Mensch am Eingangstor erklärt uns, dass wir bitte alle Sachen im Auto lassen sollen, den Autoschlüssel können wir bei ihm hinterlegen und nur in Badebekleidung und ggf. Turnschuhen wieder zu ihm kommen sollen. Wir zahlen dann noch 7 Euro pro Person Eintritt und bekommen die Anweisung der „Treppe“ zu folgen. Die Treppe entpuppt sich als eine Mischung aus Stufen und steilen Weg. Unten angekommen stehen wir an einem Flussbett in einer Schlucht. Daneben auf einer kleinen Anhöhe steht eine Bank und ein Schild. Hier müssen wir warten. Immer mehr Menschen gesellen sich zu uns, so dass wir eine Gruppe mit etwa 15 Personen sind. Nach gefühlt relativ langer Wartezeit, niemand von uns hat ein Handy oder eine Uhr mit, kommt die vorherige Gruppe zwischen den hohen Felswänden heraus. Sie werden begleitet von einem Guide im Neoprenanzug. Na toll! Wir sind in Badehosen und Bikinis unterwegs. Das wird sicherlich frisch! Es wird frisch, aber es wird auch fantastisch schön und atemberaubend, grandios toll! Wir klettern den Bachlauf hoch, stellenweise stehen wir mindestens brusttief im Wasser, an zwei Stellen muss Melanie sogar etwas schwimmen. Es geht über große Felsblöcke, teilweise mittels Leitern und Halteseilen bis zum eigentlichen großen Wasserfall. Natürlich haben wir unsere Go-Pro leider nicht dabei. Der Wasserfall ist beeindruckend, ebenso wie die bemoosten Felswände, die sich so hoch senkrecht über uns erstrecken, dass an den meisten Stellen kein Sonnenlicht den Boden berührt. Wir duschen unter dem Wasserfall, können dahinter stehen, uns die Schultern durch das prasselnde Wasser massieren lassen und können uns nicht sattsehen an der Schönheit der Natur! Wir dürfen uns ausgiebig Zeit lassen und treten dann alle gemeinsam wieder den Rückweg an. An einer Stelle, die wir auf dem Hinweg nur über ein sehr hohe Leiter erreichen konnten, erklärt uns der Guide, dass wir uns entscheiden können, ob wir springen möchten oder wieder die Leiter herunterklettern wollen. Markus, Christoph und Theo wollen natürlich springen, Melanie, Manuela und Alfred reihen sich in die Reihe der Leiter ein. Da stehen sie nun und bevor sie an der Reihe sind, dreht sich Melanie zu Manuela um und sagt: „Ich überlege echt, ob ich nicht springen soll! Die Leiter runter ist auch nicht ohne!“ Darauf meint Manuela: „Hab ich auch schon überlegt.“ Kurz entschlossen reicht Melanie ihre Brille an Alfred, der definitiv die Leiter nehmen möchte und reiht sich mit Manuela beim Springen ein. Die Männer unten bekommen nicht nur große Augen, sie müssen sich gegenseitig kneifen, denn sonst glauben sie, sie träumen! Beide Frauen haben echt mit Höhenangst zu kämpfen und die Höhe entspricht etwa einem 3-Meter-Brett im Schwimmbad. Tief durchatmend, den Anweisungen des Guides folgend, springen die beiden mutig nacheinander herunter. Wow! Was für ein Erlebnis für uns alle! Alfred klettert die Leiter herunter, der Guide bringt die Brille von Melanie heile mit und gemeinsam geht es den Rest der Schlucht bis zum Ausgang zurück. Als wenn das noch nicht Abenteuer genug für einen Tag gewesen wäre, sehen wir auf dem Rückweg die „Treppe“ hoch drei große, haarige Kreuzspinnen. Der Rückweg geht damit irgendwie deutlich schneller als gedacht!

Vor Saint-Anne liegen wir mehrere Wochen vor Anker. Markus braucht eigentlich einen neuen Taucheranzug und fährt deshalb extra mit dem Bus Richtung Fort-de-France. Einen neuen Taucheranzug, wie er ihn sucht, bekommt er leider nicht, aber dafür lacht ihn direkt am Eingang des Geschäfts ein gebrauchter Tauchkompressor an. Drei Tage lang diskutieren wir das Für und Wider und entscheiden uns dann für den Kauf. An Bord wird der Kompressor dann zunächst modifiziert, denn sonst ist die Lautstärke unerträglich! Nach Tüfftelei und Bastelei ist er zwar noch laut, aber nicht mehr lauter als ein normaler Außenbordmotor. Und unserem Tauchvergnügen steht nun nichts mehr im Weg! Gemeinsam mit den Nalas haben wir Taucherausrüstung für vier Personen. Und die nutzen wir, nachdem die Nalas alle ihren Tauchschein abgeschlossen haben, in unterschiedlichsten Konstellationen querbeet. Unser Hausriff liegt eine halbe Seemeile entfernt. Und wir tauchen, tauchen, tauchen und genießen es sehr. Melanie macht in der Zeit einen gewaltigen Entwicklungssprung beim Tauchen und gewinnt wieder mehr Selbstvertrauen und Zuversicht. Kleine Schritte, manchmal auch nur trippelnd, aber es geht vorwärts!

Die letzte Woche vor dem gefürchteten Abschied von der Nala sind wir noch einmal sehr beschäftigt. eMMa erhält gleich zwei neue Anbauten. Zum einen braucht der Tauchkompressor einen festen Ort, wo er sicher und trocken an Deck verstaut ist, denn der Kompressor läuft mit Benzin. Zum anderen erhält eMMa endlich wieder eine Badeleiter. Wir haben uns viele unterschiedliche Lösungen (Eigenbauten oder von der Stange) angeschaut, die aber irgendwie alle nicht so richtig zu eMMa passten. Nun ist es perfekt und unser Dank dabei geht an dieser Stelle raus an INOXAlu in Le Marin, die Melanies Wünsche verstanden haben und diese auch noch perfekt umsetzen konnten.

Und so sehr wir uns auch bemühten die Gedanken an diesen Tag zu verschieben, trotzdem ist er einfach da, der Abschied von den Nalas. Den Abend vorher verbringen wir noch gemeinsam bei einem tollen Essen und Live-Musik. Es wird gelacht, gesprochen und auch ein wenig geweint. Am Morgen kommt dann das Taxi, was die Nala-Crew zum Flughafen bringt. Die Tränen lassen sich einfach nicht zurück halten, aber es ist ja auch klar, denn vier für uns sehr wichtige Menschen, werden nun nach Deutschland zurückkehren und uns hier sehr fehlen. Natürlich bleiben wir in Kontakt, werden uns besuchen und wissen, dass wir immer aufeinander zählen können. Trotzdem fehlt ihr uns!

Lange stehen wir noch da und winken hinter dem Taxi her. Zurück an Bord bereiten wir alles für unsere Rückkehr nach Grenada vor, lösen die Leinen und legen ab. Der Moment, als wir an der Nala, die nun zum Verkauf steht, vorbeifahren, lässt bei Melanie noch einmal alle Dämme brechen. Martinique verschwindet langsam hinter uns am Horizont und der Tag geht in die Nacht über. Wind, Welle und Emotionen verlangen uns in dieser Nacht noch einmal viel ab.
Wir werden unsere Nalas sehr vermissen, aber wir wissen auch, dass wir mit ihnen Freunde fürs Leben gewonnen haben!

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